Leseprobe Kapitel 1

In der Pubertät  –  Bewährung statt Belehrung
Aus: Kapitel 1. Übergänge / Überhänge – eine Koda  zu meiner Pädagogik

… Bei der Entschulung der Mittelstufe ging es ja nicht nur darum, dass Unterricht im Klassenraum mit seinem paper-and-pencil-work und viel teacher’s talk in den Pubertätsjahren nicht nur nichts taugt, sondern zu Unlust und Aufsässigkeit, zu unnützem Verschleiß und bei vielen jungen Menschen zu Resignation führt, die nur schwer wieder zu vertreiben ist. Nein, es ging auch darum, dass sich in dieser Phase der Überdruss an der zu keinem Ende führenden Belehrung mit dem Drang zu physischer und psychischer Emanzipation verbindet: Die jungen Menschen lehnen die fürsorgliche Behandlung ab und suchen vor allem Selbsterfahrung – eine Bewährung in eigenen Gemeinschaften, nach eigenem Maßstab, mit eigenem Risiko.
„Bewährung“ war das belebende und verbindende Stichwort. Es hatte in meinem eigenen Lebenslauf eine große Rolle gespielt – selten in dem Glück einer geleisteten, häufig in der Wahrnehmung einer ersehnten oder versäumten Möglichkeit – und ein­drücklich in der Literatur, in der sich für mich die tragischen Bewährungs-Fälle von den „Trachinerinnen“ über „Hamlet“ und „Lord Jim“ bis zu „Demian“ nur so drängten …

 

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