Leseprobe Kapitel 13

Mancher Widerspruch widersetzt sich der Prüfung
Aus Kapitel 13: Fünf Mal Widersprüchliches – die Mythen der anderen

… Der Abstand zwischen früher Wahrnehmung und später Erinnerung „tells the story“. Auch diese wird jeder anders lesen und vor allem anders erklären. Entscheidend ist, dass man den Abstand wahrnimmt.

Auf den Seiten 1207 bis 1216d meines Manuskriptes folgen hier weitere Beispiele ähnlich gegensätzlicher Darstellungen des Schicksals oder des Verhaltens oder der Gefühle ehemaliger mit Gerold Becker verbundener OdenwaldSchüler, die ich ebenfalls aus rechtlichen Gründen hier wiederzugeben unterlasse. Ich tue es mit großem Bedauern, denn es handelt sich in allen (vier) Fällen um berührende Zeugnisse einer ebenso engen wie freien Beziehung und darüber hinaus um Hervorbringungen intelligenter und empfindsamer junger Menschen. – Nun streifen sie (oder andere) ab, was sie so sympathisch machte. Man fragt „warumund möchte dieses Wort eher mit einem Ausrufezeichen der Trauer als mit dem Fragezeichen der Wissbegier versehen (…)

Der Schriftsteller und Sozialpädagoge Martin Z. Schröder schreibt:

Wenn ein Erwachsener einen vierzig Jahre alten Fall sexueller Misshandlung beklagt, können Defizite der eigenen Persönlichkeitsentwicklung nicht die Beweise sein, als die sie angeführt werden, weil sie auch anders verursacht worden sein können, beispielsweise durch Vernachlässigung, Prügelstrafen, Spannungen im sozialen Gefüge wie in Scheidungsfamilien oder unter Schülern.       

Andererseits ist es natürlich ebenso möglich, dass die Berichte wahr sind und die Traumata erheblich. Wie soll also mit dem Vorwurf gegen Einrichtungen und Personen vernünftigerweise umgegangen werden?

(Trieb, Trauma und Kind, SZ, 23.03.2010)

 

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