Leseprobe Kapitel 3

Ein Heim für Straßenkinder in Kiew
Aus Kapitel 3: Kiew  – eine Ausnahme

… Wie schon angedeutet ging es bei dem Projekt „Our Kids“ in Kiew nicht um eine möglichst gute Versorgung von Straßenkindern, sondern um eine möglichst radikale Entsorgung eines ungeliebten politischen Systems. Staatliche und kollektive Fürsorge war falsch und verpönt; von kleinen ursprünglichen Symbiosen wie der Familie, der Hausgemeinschaft, dem Fußballverein versprach man sich hingegen die bessere Gesellschaft, nein, das bessere Leben. Aber die Vereine waren schon längst – auch unter den Sowjets – neben die Partei getreten und für viele an ihre Stelle; Nachbarschaft war in den Platten-Hoch­haus-Komplexen schwer wahrzunehmen oder gar neu ins Leben zu rufen; und den „biologischen Eltern“ (nie habe ich diesen Ausdruck so oft gehört wie in den sechs Kiewer Tagen) waren die Tom Weihe zugewiesenen Kinder ja gerade weggelaufen – wie fast alle run-aways in der Welt aus plausiblen Gründen …

 

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