# Erziehung ist Beziehung

„Wie Erziehende handeln, nützt dem Zögling und nicht dem Erwachsenen. Das ist das Wesentliche der Pädagogik. Wer diese Fremdnützigkeit verletzt, missbraucht seine Macht.“
Das ist falsch!
MICHAEL FIER kommentiert den Beitrag von DAMIAN MILLER: „Jeder Missbrauch hat Mitwisser“.

„Erziehung ist Beziehung“, diese ebenso klare wie einfache Gleichsetzung schrieb uns Martin Buber ins Stammbuch. Sie gilt sogar unabhängig von einem möglichen Einsatz der Vernunft bis ins Tierreich hinein. Sie beeinhaltet mögliche Auswirkungen verbrämter Gewalt, über die sich der Erziehende nicht vollständig im Klaren sein kann. Das darf man Schuld nennen, so wie man der sühnenden Auseinandersetzung und Aufarbeitung, so sie wahrgenommen wird, auch stattzugeben hat.
Und eine Beziehung ist immer zweiseitig, sie ist die Grundlage jeder Art von Bedeutung, ohne sie mag es ein Belehren geben, ein fruchtbares Lehren und Lernen gibt es beim peinlich sich auf die Fremdnützigkeit Beschränkenden nicht. Das hatte und hat Folgen. Eine Erziehung, die sich auf Beziehung nicht einlässt, bleibt unernst und beliebig. Sie hat der Bildung als Wirtschaftsgut Tür und Tor geöffnet. Sie hat das manchmal schmerzliche gemeinsame Erlernen demokratischer Verhaltensweisen suspendiert. Sie hat das Ermöglichen gemeinsamer Wirklichkeit im einfühlsamen Gespräch durch „political correctness“ ersetzt. Sie hat die Saat gesät, deren Ernte Trump und Konsorten jetzt einfahren.

Warum müssen sich Schulen wie das seit 96 Jahren so erfolgreiche (nicht ein Krimineller, nicht eine ungewollte Schwangerschaft, nicht ein Rechtsradikaler) Summerhill nach der Aussage ihrer Leiterin Zoe Readhead vor dem ignoranten und aggressiv nach Fehlern suchenden pädagogischen Establishment einigeln?

Warum gibt es von Louis Raths, der in einer Zeit sich auflösender traditioneller Werte eine ebenso einfache wie funktionierende Anleitung zur gemeinsamen Wertebildung mit Auflagen von mehreren Hunderttausend gab, keinen Wikipedia-Eintrag, nicht in der deutschen und nicht in der englischen?

Weil eine auf Beziehungsarmut beruhende Beziehungsunsicherheit Beziehungsangst unterhält. Weil man sich – vielleicht im Einzelfall berechtigterweise – nicht traut. Weil man der sicher auch immer bestehenden Machtoption nicht widerstehen kann. Und weil man das nicht hören will.

Okay, die nächste Runde beginnt gerade. Zumindest einige der heute Jungen werden sich fragen, wie sie der hereinbrechenden Anomie begegnen sollen. Die Aufgabe der Älteren ist es, ihnen hierzu bewährte Codes weiterzugeben. Bei Alexander Sutherland Neill, bei Louis Raths und bei Hartmut von Hentig kann man sie finden!

Michael Fier

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